„Ungleiche Wege zu Ruhm und Ehre: Johann Rantzau und sein Sohn Heinrich“
Vortrag Prof. Dr. Detlev Kraack
Die Zeit zwischen der Einführung der Reformation und dem Ausgreifen des Dreißigjährigen Krieges über die Elbe gilt in der schleswig-holsteinischen Landesgeschichte gemeinhin als das Rantzausche Zeitalter. Hier haben zunächst der adlige Gutsherr, Amtmann und erfolgreiche Feldherr Johann Rantzau (1492-1565), der als „Königsmacher“ drei dänische Herrscher auf den Thron brachte, und im Anschluss an ihn sein Sohn Heinrich (1526-1598), der sich eher als getreuer Diener seiner königlich-dänischen Landesherrn verstand, als Stellvertreter der dänischen Könige in den Herzogtümern die Geschicke des Landes maßgeblich bestimmt. Beide strebten auf sehr unterschiedlichen Wegen nach Ruhm und gesellschaftlicher Anerkennung. Während sich der Vater bereits in jungen Jahren auf den Schlachtfeldern Europas einen Namen machte und später zu einem der gefeiertsten Kriegshelden seiner Zeit wurde, zog es den Sohn zunächst an die Universität Wittenberg und dann an der Kaiserhof, bevor er von dort aus in die Heimat zurückkehrte und dem Vater im Amt nachfolgte. Dabei scheint Heinrich das Hinterherhecheln hinter den Erfolgen des Vaters bei aller Bewunderung für diesen von Anfang an ganz bewusst gemieden zu haben, stattdessen einem gänzlich anderen Lebensentwurf gefolgt zu sein und dabei eigene Prioritäten gesetzt zu haben. Federkiel und gelehrter Diskurs statt Streitkolben und Feldherrnstab, könnte man hier pointiert zusammenfassen. Wie uns sein in geschliffenem Humanistenlatein verfasster Wahlspruch verrät, stellte er die Selbstüberwindung und den feinen Geist über Kriegsruhm und Feldherrnkunst. Dass er damit bei seinen adligen Zeitgenossen vielfach auf Unverständnis stieß, dürfte für ihn angesichts der Anerkennung, die man ihm in der Welt der Gelehrsamkeit zollte, nachrangig gewesen sein.
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